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Festhalten an Helsinki

Die Parlamentarierversammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat an ihrer Jahresversammlung die Ziele und Werte der Organisation bekräftigt. Die Abschlusserklärung  bestärkt die Ukraine im Widerstand gegen die russische Invasion und fordert striktere Sanktionen gegen Russland. Die russische Duma war an der Versammlung nicht vertreten.

Rund 250 Vertreter der nationalen Parlament der OSZE-Mitgliedsstaaten – minus Russland, das sich fern hielt  – haben an der jährlichen Versammlung in Den Haag die Prinzipien der “Helsinki-Schlussakte” von 1975 und der “Charta von Paris” von 1990 bekräftigt. “Souveräne Gleichheit”, Verzicht auf Gewalt, Unverletzlichkeit von Grenzen, friedliche Streitbeilegung, Respekt vor Menschenrechten und Grundfreiheiten und “die Erfüllung der völkerrechtlichen Pflichten in guten Treuen” seien “die Grundlage von Sicherheit und Zusammenarbeit” im OSZE-Bereich, der von Nordamerika bis nach Russland reicht. Zur “umfassenden und nicht aufteilbaren Sicherheit” gehöre “der Schutz der Menschenrechte Würde aller Menschen”, die Herrschaft des Rechts und eine demokratische Regierungsführung. Die Parlamentarier erklären sich “tief besorgt” über die laufende “Erosion vereinbarter Normen, Institutionen und Prinzipien”.

Mehr Druck auf Russland

Die 88 Seiten starke Abschlusserklärung äussert sich zu den drei OSZE-Bereichen Politik/Sichereit, Wirtschaft/Technologie/Wissenschaft/Umwelt und Demokratie/Menschenrechte/Humanitäres. Eine Reihe von Resolutionen befasst sich mit Jugendthemen, unter anderem der Online-Radikalisierung, mit der Verfolgung von Medienschaffenden oder der Nutzung von Anti-Geldwäsche- und Anti-Terror-Instrumenten für “transnationale Finanzrepression” (erwähnt wird das russische Vorgehen gegen Dissidenten im Exil). In zwei politisch dringlichen Bereichen, Umwelt und Migration, wird der Ball eher flach gehalten. Schwerpunkt der Abschlusserklärung ist der russische Krieg gegen die Ukraine. Die Parlamentarierversammlung kritisiert, dass “Finanzflüsse, vor allem im Energiesektor, weiterhin bedeutende Einkünfte generieren, die direkt zur Fortführung” von Moskaus Krieg beitragen, und sie betont die “dringende Notwendigkeit für alle OSZE-Staaten, Sanktionsregimes weiter zu stärken, ihre Durchsetzung zu verbessern und bestehende Lücken zu schliessen”. Der Widerstand der Ukraine wird als Verteidigung der Helsinki-Prinzipen gewürdigt. Mit der Bereitschaft, ihre Innovationen bei der der militärischen Rüstung und in der Kriegführung zu teilen, leiste die Ukraine einen “unverzichtbaren Sicherheitsbeitrag zur Euro-Atlantischen Gemeinschaft”.

Schweiz fordert Entminung

Die Schweizer Delegation wurde von Ständerat Thierry Burkart (FDP, AG) angeführt. Er forderte ein Ende des Kriegs gegen die Ukraine “so rasch als möglich” und rief die OSZE auf, sich auf die Phase nach einer Waffenruhe vorzubereiten. Als Aktionsfeld hob Burkart die Entminung des Landes hervor: “Die Ukraine ist das am meisten verminte Land der Welt. Das verseuchte Gebiet ist grösser als England oder Griechenland”. Ein entsprechender Antrag Burkarts wurde in die Abschlusserklärung aufgenommen –  gegen Einwände der ukrainischen Delegation, welche befürchtete, im laufenden Krieg beim eigenen Einsatz von Minen beeinträchtigt zu werden. Aus gleichen Erwägungen nimmt  die Ukraine Abstand von der Anti-Landminen-Konvention (Ottawa-Konvention). Seit Kriegsbeginn 2022 kommt sie ihren Berichtspflichten nicht mehr nach und hat eine Suspension ihrer Mitgliedschaft (gemäss Statuten nicht möglich) oder einen Austritt (erst 6 Monate nach einem Kriegsende) verlangt. Nicht erfolgreich war die Schweiz mit einem Antrag, einen Passus zu Georgien abzuschwächen. Die Resolution verurteilt explizit die russische Besetzung der georgischen Regionen Abchasien und Südossetien. Die Schweiz schlug vor, auf die Benennung der russischen Besetzer zu verzichten und es bei “tiefer Besorgnis über die fortgesetzte Verletzung der territorialen Integrität Georgiens” zu belassen. Sie unterlag in der Abstimmung.

 

#OSZE

Die Parlamentarierversammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat an ihrer Jahresversammlung die Ziele und Werte der Organisation bekräftigt. Die Abschlusserklärung  bestärkt die Ukraine im Widerstand gegen die russische Invasion und fordert striktere Sanktionen gegen Russland. Die russische Duma war an der Versammlung nicht vertreten.

Espresso Diplomatique

Kurz und kräftig. Die wöchentliche Dosis Aussenpolitik von foraus, der SGA und Caritas. Heute im Fokus: Dänemark – wo Sozialdemokraten die härteste Migrationspolitik Europas machen. Nr. 502 | 19.05.2026
 

Aussenpolitik im 21. Jahrhundert

Der Überblick zur schweizerischen Aussenpolitik entlang ihrer zentralen Gebiete. Online nachgeführt und aufdatiert. Neue Beiträge von Joëlle Kuntz (La neutralité, le monument aux Suisses jamais morts) und Markus Mugglin (Schweiz – Europäische Union: Eine Chronologie der Verhandlungen) sowie von Martin Dahinden und Peter Hug (Sicherheitspolitik der Schweiz neu denken - aber wie?). Zum Inhalt.      

Bilaterale III

Das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union ist der Fluchtpunkt der aussenpolitischen Auseinandersetzungen im Lande. Bis zur Abstimmung über die neuen Verträge (“Bilaterale III”) präsentieren wir unsere Beiträge, die offiziellen Texte, ausgewählte Positionsbezüge von Parteien und anderen Akteuren sowie eine Chronologie gebündelt auf einer Seite (hier klicken).