Der Krieg in der Ukraine ist nicht – was immer das heissen mag – eine «westliche» Sache, sondern eine europäische. Er findet in Europa statt, gefährdet die «Sicherheit und Zusammenarbeit» in Europa und zerschlägt alle Vorstellung, Russland in das Geflecht einzubeziehen, das nach dem Ende des Kalten Kriegs («Charta von Paris» 1990, und dergleichen) gesponnen wurde. Die Nuklearmacht Russland ist der Angreifer und hat sich ausserhalb gestellt. Europa muss sich verteidigen.
Die Schweiz gehört zweifelsohne zu diesem Europa. Aber sie tut sich weiterhin schwer damit, weil sie alles, was jenseits der Landesgrenzen liegt, als «Ausland» von sich fernhält. Sie weiss zur Verteidigung des Kontinents nichts zu sagen. Auf dem center court schlägt kein Schweizer auf. Ausserhalb werden Pirouetten gedreht : ein bisschen «Annäherung» an die NATO hier, ein Gefeilsche um die Lieferung der Munition für 37 deutsche Gepard-Flabpanzer dort (Schweizer Flab für Deutschland – hatten wir das nicht schon einmal?).
Zur Münchner Sicherheitskonferenz hat «Le Monde» aus Paris Argumentationshilfe geleistet. Die Schweiz könne sich der Zeitenwende («die historische Wende durch den Krieg und seine Konsequenzen für die Sicherheit in Europa») nicht entziehen: «Die Eidgenossenschaft kann nicht abseits der Einheit stehen bleiben, die sich rund um die Ukraine formiert». Die Zeit dränge. Die Munition müsse freigegeben werden.
Nur so erwähnt die Zeitung auch die Blockade der russischen Gelder, wo der Bundesrat zuerst lavierte und dann mitmachte. Zur Illustration gibt es dem Leser zwei Zahlen mit: Auf Schweizer Konten liegen 200 Milliarden Franken. Blockiert sind 7,5 Milliarden.
Der Text ist kurz, gratis abrufbar und lesenswert: Livraison d’armes à l’Ukraine : la Suisse ne peut se retrancher derrière sa neutralité
Kurz und kräftig. Die wöchentliche Dosis Aussenpolitik von foraus, der SGA und Caritas. Heute steht der Erdorbit im Fokus: Wie erhöhte militärische Bemühungen, ein überholtes Abkommen und private Akteure die Karten neu mischen. . Nr. 499 | 07.04.2026
Der Überblick zur schweizerischen Aussenpolitik entlang ihrer zentralen Gebiete. Online nachgeführt und aufdatiert. Neue Beiträge von Joëlle Kuntz (La neutralité, le monument aux Suisses jamais morts) und Markus Mugglin (Schweiz – Europäische Union: Eine Chronologie der Verhandlungen) sowie von Martin Dahinden und Peter Hug (Sicherheitspolitik der Schweiz neu denken - aber wie?). Zum Inhalt.
Das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union ist der Fluchtpunkt der aussenpolitischen Auseinandersetzungen im Lande. Bis zur Abstimmung über die neuen Verträge (“Bilaterale III”) präsentieren wir unsere Beiträge, die offiziellen Texte, ausgewählte Positionsbezüge von Parteien und anderen Akteuren sowie eine Chronologie gebündelt auf einer Seite (hier klicken).